Haus

Ein Haus an der Autobahn

Jedermannhausen war immer ein ruhiger, kleiner Ort gewesen. Ein Dörfchen im wahrsten Sinne des Wortes eben. Da gab es den örtlichen Schützenverein, selbstverständlich den Kunstverein. traffic-113843_640Und dann urplötzlich ein neuer Verein. Den, der zum Widerstand gegen die neu geplante Autobahn, die direkt am Dorf vorbei gebaut werden würde, aufrief.

Dass die Käufer der Grundstücke, die unmittelbar neben der Autobahn lagen, die Besitzer der teilweise sehr alten Häuser, die betroffen waren, nicht vorab informiert wurde, lange vorher Eintragungen in den öffentlichen Planverlautbarungen der Behörden hätte stattfinden sollen – nun nebensächlich.

Die Autobahn war bereits Wirklichkeit. Die Proteste der Dorfbewohner hatten nichts bewirkt. Selbst die Aktion mit einem vom Naturschutz unter Artenschutz gestellten Vogel, der angeblich vor den Toren des Hauses seine Heimat hatte, ging schief, als der Vogel in einer Novellierung der Liste der geschützten Tierarten nicht mehr auftauchte.

Rhythmus der Zeit

Familie Schneider lebt nun schon seit acht Jahren in etwa 200 Meter Entfernung von der A 9. Die größten Sorgen hätte sie sich gemacht, so erzählt die Familienmutter, als die Kinder so zwischen fünf und zwölf waren. Die Absperrungen zur Autobahn hin seien sehr mangelhaft. Der Highway sei ohne Weiteres zu Fuß erreichbar. Zwei Hunden der Familie sei dies schon zum Verhängnis geworden. Die Trauer jedes Mal sei zu viel für die Familie.

Hunde gäbe es nun keine mehr. Und mit Katzen wäre es ja dasselbe Spiel. Ein Gutes jedoch erkennt Frau Schneider in den Unfällen der beiden Tiere. Die Kinder hätten sich das ordentlich zu Herzen genommen und betrachteten die Autobahn nunmehr eher wie eine gefräßige Schlange, der man besser nicht zu nahe kommt. Der Lärm sei gar nicht so schlimm. Man könne sich an alles gewöhnen, bestätigt auch der Ehemann.

Es ist eben der Rhythmus der Zeit, den wir nicht ändern können. Schlimm sei es nur zu Beginn und Ende der Ferien, vor allem wenn dann Unfälle passierten. Öfter schon habe er daran gedacht, einen mobilen Imbiss Service entlang der Blechkolonnen anzubieten, die sich an 150 Tagen des Jahres vor seinem Wohnzimmerfenster mit dem Stau quälen. Da spielt aber die Behörde nicht, so weiß Herr Schneider, der tatsächlich versucht hat, eine entsprechende Bescheinigung zu erhalten.